Baubeschluss Gemeinschaftsschule

GR-Sitzung am 20.7.2016: Redebeitrag von Herbert Fürstenberger, Grüne Fraktion, zum „Baubeschluss Gemeinschaftsschule“.

Die erfreulich zahlreichen Besucher der heutigen Sitzung, machen klar, um welch wichtige Entscheidung wir hier heute ringen.
Die Bildungslandschaft in unserer Kommune kann sich schließlich mit dem heutigen Beschluss in die eine oder andere Richtung radikal verändern…..
Lassen sie mich deshalb ein Wort des amerikanischen Schriftstellers und Philosophen George Santayana meinem Plädoyer voranstellen. „Wer seine Vergangenheit nicht kennt, ist gezwungen, sie zu wiederholen“.
Was hat dies nun mit uns hier, mit der GMS, zu tun? Dazu gehen wir einfach mal etwa 40 Jahre zurück in der Kraichtaler Bildungspolitik. Damals sollte eine Entscheidung für eine Realschule in der frisch gebildeten Stadt Kraichtal gefällt werden. Wir alle wissen: Diese Schule kam nicht. Sie kam nicht, weil man sich nicht auf einen Stadtteil und den Standort einigen konnte. Keiner sollte sie bekommen. Und: Keiner hat sie bekommen! Die Realschule ist heute in Ubstadt. Chance vertan!Mehrere Anläufe, später doch noch die Realschule nach Kraichtal zu bekommen, schlugen fehl, machten auch für Entscheider im Regierungspräsidium oder noch weiter oben verständlicherweise keinen Sinn mehr. So weit die Vergangenheit.
Heute, liebe Kolleginnen und Kollegen, entscheiden wir, ob wir eine zugesprochene GMS in Kraichtal bauen werden. Das Besondere: Sie läuft ja schon 2 Jahre hier an der MGS! Sie bietet ebenfalls den vollwertigen Abschluss einer Realschule, also die Mittlere Reife. Über die konzeptionelle Arbeit einer GMS selbst wollen wir heute an dieser Stelle bitte nicht mehr weiter diskutieren.
Wir haben die GMS – nach heftigen Kämpfen zwar! – aber nach all dem langjährigen Scheitern auf einem Silbertablett serviert bekommen. Dieses Silbertablett müssen wir bezahlen, finanzieren. Und: Wir können diese Schule finanzieren.!
Die von der Verwaltung aufgezeigte Finanzierungsstrecke ist lang, 30 Jahre lang. Sie ist mühsam und tut richtig weh. Einen jährlichen Tilgungsbetrag von etwa 255.000 € inclusive Zinsen können und müssen wir aber im Interesse unserer Kinder und städtischen Attraktivität aufbringen. So lange hier Ratskolleg*innen fragwürdige Projekte durchziehen, obwohl einkalkulierte Fördermittel von 180.000 € versagt werden, ist ja wohl das Stadtsäckel belastbar und bei der Finanzierung der GMS noch etwas Luft nach oben! Auch im Bereich der Freiwilligkeitsleistungen der Stadt sind noch Ressourcen vorhanden. Kraichtal leistet auf hohem Niveau, was andere Kommunen so nicht tun!
Liebe Kolleginnen und Kollegen, wenn hier heute die GMS K´tal im „worst case“ gekippt werden sollte, dann wird es bildungspolitisch Nacht in unserer Stadt mit fast 15.000 Einwohnern. Alle unsere Kinder führen dann ab der 5. Klasse in die Umlandgemeinden, nach BR, Ubstadt, Eppingen oder Derdingen. Es verblieben den Kraichtälern lediglich 6 Grundschulen, von denen zu allem Elend ja auch noch 2 oder 3 wackeln.
Dieser Umstand, und die lapidare Bemerkung eines Ratskollegen: „Wir haben doch rings um K´tal herum funktionierende Schulen, also brauchen wir selbst für unsere Kinder keine zu bauen!“, das liebe Kolleginnen und Kollegen, ist die bildungspolitische Bankrotterklärung einer Fraktion, die in der Vergangenheit maßgeblich an allen Entscheidungen auf diesem Gebiet beteiligt war!
Nach über 40 Jahren Kraichtal müssten wir nach einer heutigen Negativ-Entscheidung feststellen: Wir haben es geschafft, alle weiterführenden Schulen aus Kraichtal hinaus zu bringen! Erfreuen wir uns nun also an den mehr oder weniger verbleibenden Grundschulen, an der Förderschule, um diese nicht zu vergessen???!!
Meine lieben Anwesenden hier im Saal: Dies war doch nicht der Grundgedanke, den man beim Zusammenschluss der 9 Stadtteile zu einer Gemeinschaftsstadt im Kopf hatte?! Am Ende dann eine reine Grundschulstadt Kraichtal? – Welch ein Niedergang!!!
Es gäbe noch sehr viel mehr anzuführen, und zu begründen (Wie z.B. Akzeptanz +Entwicklung der GMS, Sparen beim Bau, Alternativen zur Schulart, Attraktivität als Schulstandort für Industrie, Handel, Gewerbe, junge Familien etc…) Ich will mich hier aber zu Gunsten der weiteren Rednerwünsche gerne beschränken und schließe mit einem dringenden Appell aus unserer Fraktion:
Nehmen wir dieses Geschenk GMS endlich an, fördern wir es, verteidigen wir es, schätzen wir es endlich als das, was es ist: nämlich die schulpolitische Aufwertung und Zukunft für unsere Stadt!
Wir als Grüne Fraktion stimmen jedenfalls dem Baubeschluss ausdrücklich und geschlossen zu!
Noch eine persönliche Anmerkung zum Schluss:
Wer mit unterschwellig mies machenden Publikationen, der Verbreitung unwahrer Gerüchte oder unsachlicher Behauptungen zur GMS arbeitet – wie leider geschehen! -, macht sich am Schulstandort Kraichtal schuldig!
Denken wir positiv! – Entscheiden wir positiv! Für unsere Kinder und Kindeskinder! Machen wir Kraichtal enkeltauglich!
Herbert Fürstenberger

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