Ich trete erneut an

Baden-Württemberg ist meine Heimat. Unsere Heimat. Ein Land mit wunderschöner Natur und einzigartigen Menschen. Wir alle leben gerne hier. Wir schätzen den Zusammenhalt, dass man füreinander da ist und sich gegenseitig hilft. Nirgendwo sonst in Deutschland engagieren sich so viele Menschen ehrenamtlich im Sportverein, in der Flüchtlingshilfe oder in der Kirchengemeinde.

Wir schätzen den Wohlstand, der auf dem Fleiß und dem Erfindungsreichtum der Menschen und der Unternehmen gründet. Heute haben im Südwesten so viele Menschen eine Arbeit wie nie zuvor. Und wir leben in einer der sichersten Regionen der Welt.

Es ist kein Naturgesetz, dass es uns immer so gut gehen wird. Wir erleben einen stürmischen Wandel.
Doch es ist kein Naturgesetz, dass es uns immer so gut gehen wird. Wir erleben einen stürmischen Wandel. Die digitale Revolution verändert die Art, wie wir leben, arbeiten und produzieren. Neue Technologien krempeln unsere Wirtschaft um. Und der Konkurrenzkampf auf den Weltmärkten wird härter. Die Klimakrise entscheidet darüber, ob die Erde ein lebenswerter Ort bleibt. Immer mehr Menschen müssen ihre Heimat verlassen und suchen auch bei uns eine neue Perspektive. Der Kitt unserer Gesellschaft beginnt zu bröckeln, der Ton der öffentlichen Debatte ist rauer geworden.

Die Umbrüche reichen tief. Sie wirbeln Altvertrautes durcheinander. Deshalb nehme ich es sehr ernst, wenn der Arbeiter eines Automobilzulieferers mich fragt, ob es seinen Arbeitsplatz in fünf oder zehn Jahren noch geben wird. Oder wenn die engagierten jungen Menschen von „Fridays for Future“ sich um ihre Zukunft auf diesem Planeten sorgen. Oder wenn Eltern sich fragen, ob ihre Kinder in einer Welt aufwachsen, in der man sich hilft und respektiert oder in der jeder nur auf seinen eigenen Vorteil aus ist.

Viel hängt davon ab, welche Richtung wir dem Wandel geben. Wir brauchen einen verlässlichen Wertekompass, der uns hilft, die Welt menschlich zu gestalten. Wir müssen mutig und besonnen die richtigen Weichen stellen und dürfen uns nicht treiben lassen.

Deshalb hat meine Landesregierung als erste in Deutschland eine umfassende Digitalisierungsstrategie aufgelegt. Dabei unterstützen wir besonders unseren Mittelstand. Und wenn das Auto gerade neu erfunden wird – mit neuen, abgasfreien Antrieben, mit dem autonomen und vernetzten Fahren – dann müssen wir ganz vorne dabei sein. Ich will, dass das emissionsfreie Auto der Zukunft bei uns in Baden-Württemberg vom Band rollt. Deshalb habe ich einen Strategiedialog mit der Automobilindustrie gestartet, in dem Wirtschaft, Wissenschaft, Gewerkschaften und Politik an einem Strang ziehen.

Den Wandel mutig gestalten und unseren Wohlstand sichern

Mut macht uns unsere Stärke in Forschung und Wissenschaft. Wir sind führend bei den Patentanmeldungen. Nirgendwo sonst in Deutschland gibt es so viele Exzellenzuniversitäten wie bei uns. Hier wachsen die Rohstoffe der Zukunft: Wissen, Kreativität und Innovation. Und mit dem „Cyber Valley“ haben wir den größten Forschungsverbund für Künstliche Intelligenz auf den Weg gebracht. Das alles sind starke Brücken in die Zukunft.

Lassen Sie uns hier weiter nachlegen und die Schlüsseltechnologien von morgen kraftvoll vorantreiben. Das ist konkrete Zukunftspolitik. Denn Innovation ist der Schlüssel, um unseren Wohlstand zu sichern und die großen Herausforderungen wie die Klimakrise zu meistern. So sorgen wir dafür, dass unser Wirtschaftsstandort auch künftig in der Champions League spielt.

Wir müssen der Welt zeigen: Wirtschaftlicher Erfolg und Klimaschutz gehören in Zukunft zusammen.

Besondere Sorge bereitet mir die Klimakrise. Denn die Zeit drängt. Im kommenden Jahrzehnt entscheidet sich, ob die Menschheit die globale Erhitzung noch eindämmen kann. Wir müssen deshalb entschlossen den Weg zu einem klimaneutralen Baden-Württemberg gehen. Als führendes Industrieland haben wir eine besondere Verantwortung. Wir müssen der Welt zeigen: Wirtschaftlicher Erfolg und Klimaschutz gehören in Zukunft zusammen. Man kann auch gut leben, ohne dabei unsere Erde zu zerstören. Und nur mit energiesparenden Produkten und ressourceneffizienten Maschinen kann man auf den Märkten von morgen erfolgreich sein. Wenn es uns gelingt, ein Modell klimaverträglichen Wohlstands zu liefern, dann werden sich andere daran orientieren.


Auf dem Weg zum klimaneutralen Baden-Württemberg

Aber wir müssen uns auch ehrlich machen: Anreize und Subventionen allein reichen nicht mehr aus. Und auch die unsichtbare Hand des Marktes richtet es nicht. Wenn wir die Klimakatastrophe verhindern wollen, braucht es auch eine entschlossene Ordnungspolitik mit klaren Regeln – auf allen politischen Ebenen, nicht bloß in Baden-Württemberg. Und auch hier dürfen wir uns nichts vormachen: Das wird nicht ohne Zumutungen gehen. Eines verspreche ich Ihnen aber: Wir werden dabei viel mehr gewinnen als verlieren. Nämlich eine lebenswerte Zukunft für unsere Kinder und Enkel auf diesem Planeten.

Der Klimawandel ist mit einer zweiten großen ökologischen Krise verbunden. Von vielen unbemerkt vollzieht sich gerade das größte globale Artensterben seit dem Ende der Dinosaurier. Auch unsere schöne Natur hier im Land ist bedroht. Sie braucht unseren Schutz. Denn mehr als jede dritte heimische Art ist gefährdet. Und auch unsere Wälder sind schwer geschädigt. Wir haben deshalb ein bundesweit einmaliges Maßnahmenpaket für den Erhalt der Artenvielfalt auf den Weg gebracht und im Schwarzwald den ersten Nationalpark des Landes eingerichtet. In den kommenden Jahren müssen wir weiter nachlegen. Denn nur wenn wir die Lebensräume von Tieren und Pflanzen erhalten und weniger Pestizide einsetzen, können wir den Reichtum der Natur bewahren.

Lassen Sie uns die liberale Demokratie mit aller Kraft verteidigen und den Zusammenhalt unserer Gesellschaft stärken.

Den Zusammenhalt stärken
Unsere liberale Demokratie und der Zusammenhalt der Gesellschaft sind unter Druck. Sie werden von innen und außen angegriffen. In den USA beansprucht ein Präsident „alternative Fakten“ für sich. In Großbritannien – der ältesten Demokratie der Welt – versucht ein Premierminister das Parlament auszutricksen. Und bei uns in Baden-Württemberg stellen Rechtspopulisten die drittgrößte Fraktion im Landtag.

Lassen Sie uns die liberale Demokratie mit aller Kraft verteidigen und den Zusammenhalt unserer Gesellschaft stärken. Denn miteinander erreichen wir viel mehr als gegeneinander. Ich habe deshalb die Politik des Gehörtwerdens etabliert. Als Bürgerinnen und Bürger können Sie sich nun viel leichter politisch einbringen als früher. Damit wollen wir Brücken bauen, auch zu jenen Menschen, die sich unverstanden oder vernachlässigt fühlen.


Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

ich habe in der Sommerpause intensiv über meine Zukunft nachgedacht. Darüber, ob ich im Frühjahr 2021 noch einmal für das Amt des Ministerpräsidenten antreten möchte. Ob ich Sie ein weiteres Mal um Ihr Vertrauen bitten soll. Ich habe mich geprüft. Und ja, ich habe auch mit mir gerungen. Denn ich bin überzeugt, dass solch weitreichende Entscheidungen wohlbedacht sein müssen. Politik ist kein Spiel. Und mit einem solchen Amt ist eine große Verantwortung für unser Land und seine Menschen verbunden, die ich sehr ernst nehme.

Ich habe mich dafür entschieden, mich bei der kommenden Landtagswahl erneut um das Amt des Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg zu bewerben. Meine Leidenschaft für diese Aufgabe ist ungebrochen. Und ich bin dankbar für den Rückhalt und die Unterstützung, die ich spüre. Wir haben große Herausforderungen vor uns. Es braucht Neugier und Erfahrung, um die richtigen Entscheidungen zu treffen. Ich möchte mich weiter voll einbringen – mit Mut und Besonnenheit, mit Tatkraft und klarem Wertekompass, mit meinem Herzen und meinem Verstand. Lassen Sie uns den Wandel gemeinsam gestalten.

Bis zur kommenden Landtagswahl sind es aber noch eineinhalb Jahre. Und es gibt viel zu tun. Ich verspreche Ihnen daher, dass ich das Jahr 2020 nicht mit Wahlkampf vertun, sondern den Auftrag, den Sie mir gegeben haben, gewissenhaft erfüllen werde.

Herzliche Grüße
Winfried Kretschmann

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